Die Marienkirche in Bad Homburg

1869 wurde die Pfarrei St. Marien gegründet, doch es sollte noch 26 Jahre dauern, bis eine Kirche errichtet war. Erst der 5. Entwurf und zwar der des Mainzer Architekten und späteren Dombaumeisters Ludwig Becker (1855-1940) fand im Jahre 1888 Aufnahme.

Die Marienkirche 1894 - noch ohne Glocken und ohne Turmuhr -, die Erlöserkirche tritt erst 1908 als weiteres Wahrzeichen der Stadt hinzu. Gemälde eines unbekannten Malers

Der Architekt plante eine neugotische Kirche in frühgotischen Bauformen und legte Wert auf eine lebhafte Silhouette bei der freistehenden Kirche über den kleinen Häusern am Mühlberg und auf eine monumentale Wirkung von der Stadtseite her. Wegen des feuchten Schieferbodens platzierte Becker den Turm neben dem eigentlichen Kirchengebäude. Die Kirche wirkt so wie ein mahnender Finger von der Stadtseite her. Man hat den Eindruck, das Gebäude sei schmal. Doch beim Rundgang um die Kirche erlebt man eine erstaunliche Größe und malerische Vielfalt durch die Treppentürme und die Taufkapelle.

Der Turm mit seinen 48 m gehört zu einem der Wahrzeichen der Stadt.  

Die drei Wahrzeichen der Stadt: Marienkirche, Erlöserkirche und Weißer Turm des Schlosses

Erst 13 Jahre später kam die Erlöserkirche hinzu. Am 07.06.1892 wurde der Grundstein im Beisein der Kaiserin Friedrich gelegt. Am 14. August 1895 (am Vortag von Mariä Himmelfahrt) wurde die Kirche durch Bischof Klein eingeweiht. Sie hatte von Anfang an 6 Bronzeglocken in den Tönen BDFGAB. 

 

Der Altarraum um 1910

Im 1. Weltkrieg blieb das Gebäude wegen seines hervorragenden Geläutes erhalten; im 2. Weltkrieg mussten 5 Glocken abgeliefert werden. Seit 1949 ist das Geläute wieder vollständig.  

Im Innern wirkt der Raum wie eine weite Hallenkirche, in der man (außer in den beiden Seitenkapellen) von jedem Platz aus nach vorne sehen kann.

 

Innenansicht der Marienkirche seit 1984

Die Seitenkapellen sind keine Seitenschiffe, sondern dienen als Ort der stillen Andacht.

Der Chorraum wird von einem großen Herz Jesu-Altar abgeschlossen, eine Stein- und Holzbildhauerarbeit der Gebrüder Busch (Steinheim am Main) aus dem Jahre 1910. Über dem Zelebrationsaltar hängt ein riesiges Triumphkreuz.

Sein Korpus wurde um 1500 im fränkischen Raum hergestellt. Dass er, wie 1910 behauptet wurde, von Tilman Riemenschneider stammte, konnte bislang noch nicht nachgewiesen werden. 

Den Kreuzbalken schnitzten die Brüder Busch aus Steinheim (1910), die auch schon 1906 den Antioniusaltar in der rechten Seitenkapelle hergestellt hatten.

Im rechten Querschiff steht ein neugotischer Josefsaltar (1905), im linken hängt seit 1967 eine überlebensgroße Marienplastik aus Lindenholz (zuvor stand dort ein neugotischer Marienaltar).

Im linken Querschiff befindet sich auch eine große Klais-Orgel mit 35 Registern, 3 Manualen und 2 468 Pfeifen, von denen ein Großteil aus der 1. Orgel des Jahres 1906 stammt. Dieses ursprüngliche Instrument stand einst auf der Empore.

Die meisten Fenster wurden im Krieg durch Glasbruch zerstört. Die im Laufe der Zeit erneuerten Fenster stellen im Altarraum die Himmelfahrt Mariens in der Mitte, links die Geburt Jesu und rechts die Verkündigung dar. In den Seitenrosetten sind Rosenkranzmotive zu erkennen, und die Rosette über der Empore ist der heiligen Cäcilia gewidmet.  

Ansicht der Marienkirche von der Innenstadt

Ein bedeutendes und sehr wertvolles Kunstwerk befindet sich in der Taufkapelle: Die Homburger Kreuzigungsgruppe, ein Schnitzwerk aus dem 15. Jahrhundert, und in der linken Seitenkapelle ist der Steinabguss der Homburger Pieta angebracht. Das Original (dem Limburger Diözesanmuseum überlassen) stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Kreuzigungsgruppe nach der Restaurierung 1998